Presseinformationen
Teilhabe und Demokratie – eine unverzichtbare Allianz
Berlin, den 20. August 2026
In einem Monat wählt Berlin. In Zeiten antidemokratischer Strömungen braucht es eine starke Zivilgesellschaft, die kraftvoll für Respekt, Würde und ein gelingendes Miteinander eintritt. Die Berliner Tafel hat soziale Einrichtungen zu Teilhabe und Demokratie befragt und starke Plädoyers für eine vielfältige, inklusive Stadt bekommen, die sie ab heute über Social Media teilt. „Ihre Antworten machen Mut. Sie zeigen, wie wir alle unsere Demokratie nachhaltig stärken können“, sagt Sabine Werth, Vorsitzende der Berliner Tafel.
Im gesellschaftlichen Diskurs hat sich ein Grundrauschen eingerichtet, das immer wieder menschenverachtende Töne raunt. Mal sind geflüchtete Menschen die Adressaten oder auch vermeintliche Schmarotzer, die sich auf dem Rücken der arbeitenden Bevölkerung ausruhen würden. Manchmal trifft es queere Menschen oder Personen anderen Glaubens. Manchmal scheint es, als gebe es keine Gegenstimmen.
Doch. Berlin hat diese starken Stimmen, die sich jeden Tag für Teilhabe einsetzen. Die Berliner Tafel unterstützt neben den 48 LAIB und SEELE-Ausgabestellen auch rund 400 soziale Einrichtungen mit Lebensmitteln. 16 davon haben dem Verein folgende Fragen beantwortet: Welche Arbeit macht Ihr? Was bedeutet Demokratie für Euch? Wie stärkt Ihr sie? Warum braucht unsere Gesellschaft Teilhabe? Warum ist Berlin cool (oder auch nicht)? Was macht Euch Mut?
Die Berliner Tafel hat hierfür unter anderem mit Vertreter:innen von Kinder- und Jugendeinrichtungen, Unterkünften für Geflüchtete, Wohnheimen für obdachlose Menschen, Einrichtungen für Frauen, der Bahnhofs- und Stadtmission und dem Straßenfeger gesprochen. Sie sollen eine Plattform für ihr starkes zivilgesellschaftliches Engagement bekommen – die Interviews sind ab heute in loser Folge bis zum Wahltag bei Instagram, Facebook und YouTube zu sehen.
Insgesamt lässt sich zusammenfassen, dass alle Gesprächpartner:innen die Bedeutung von Teilhabe und Demokratie als unerlässlich eingestuft haben, hier einige Beispiele aus den Gesprächen zu ihrer Bedeutung im jeweiligen konkreten Arbeitskontext:
„Egal ob Staatsangehörigkeit, Geschlecht, Kultur – alle sind willkommen und alle sollen hierherkommen und diskutieren und sprechen, seine Meinung äußern und Zusammenhalt. Lebensmittel ausgeben, das ist für mich Demokratie.“ (Mittwochsinitiative, Unterstützung für Sexarbeiter-:innen,Konsument:innen und armutsbetroffene Anwohner:innen)
„Demokratie bedeutet für uns Würde. Jeder Mensch ist gleich und jeder Mensch hat eine Stimme. Und vor allem auch die, deren Stimme nicht so häufig gehört wird.“ (Wohnungslosenstätte Schöneberg, Tagestreff für wohnungslose und armutsbetroffene Menschen)
„... in meinem Team hier, das sind 21 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es ist ein unglaublich internationales Team und es sind auch einige Damen und Herren im Team, die Fluchthintergrund haben und die uns Deutsche immer wieder daran erinnern, wie gut wir es hier eigentlich haben und über was für Kleinigkeiten wir uns eigentlich aufregen, was in den Herkunftsländern ganz andere Dramatik hat.“ (Übergangswohnheim für wohnungslose Menschen der FSD-Stiftung)
„Demokratie fängt bei uns ganz, ganz unten an. Sprich in unserer Arbeit, dass tatsächlich auch die Menschen, die obdachlos sind, die kein Zuhause haben, die teilweise nicht mal einen Pass haben oder eine Krankenversicherung, dennoch die gleichen Rechte wie wir alle haben. Und das muss durchgesetzt werden.“(Straßenfeger e.V., Unterstützung für Menschen in Wohnungs- und Obdachlosigkeit)
„Unsere Arbeit ist halt ein Stück weit gelebte Demokratie, dadurch, dass die Leute hier eine Postadresse kriegen können. Zum Beispiel ermöglichen wir gesellschaftliche Teilhabe, die vorher überhaupt nicht gegeben war. Weil wenn jemand keine Post empfangen kann, dann ist halt so gut wie nichts möglich.“ (Seeling Treff, Tagestreff für wohnungslose und mittellose Menschen)
„... ist für uns Demokratie einfach, dass wir wirklich sagen, eine Chancengleichheit, ein gegenseitiges Verständnis, dass man das miteinander aufbringt. Weil so, nur so erreicht man die gemeinsamen Ziele mit den ganz verschiedenen Kulturen auch.“ (Gemeinschaftsunterkunft für geflüchtete Menschen in Marzahn-Hellersdorf)
„Also Demokratie ist die einzige Regierungsform, die permanent verlangt, dass die Bevölkerung großteils mitarbeitet, und sei es nur durchs Wählengehen. Und vor allen auch durchs Sich-Informieren, sich nicht nur was erzählen lassen, sondern möglichst auch mal die Position wechseln. Das ist ja immer das Problem, dass man nur aus seiner eigenen schmalen Sicht, also nie die Position des anderen einnimmt. Wenn man das versucht, dann denke ich, ist das sehr demokratiefördernd.“ (Unterschlupf e.V., Tagestreff für Frauen* in der Wohnungs- und Obdachlosigkeit)
Diese Einrichtungen stehen stellvertretend für so viele Engagierte in Berlin, die sich jeden Tag für Teilhabe einsetzen. Es ist keine einfache Arbeit, aber wenn sie Früchte trägt, ist es umso schöner:
„Es gibt so viele Leute, die einfach anpacken. Der Berliner an sich ist hilfsbereit. Wenn man ihm ein bisschen die Zeit gibt und die Leute näherbringt, dann habe ich das schon ganz oft in Berlin erlebt. Und das macht mir einfach immer wieder Mut.“ (Gemeinschaftsunterkunft für geflüchtete Menschen in Spandau)
Das gibt Hoffnung. Die Gründerin der Berliner Tafel und Vorsitzende, Sabine Werth, sagt: „Ich lebe mittlerweile seit fast 70 Jahren in Berlin. Ich kenne die Stadt, das Elend, die tollen Menschen und vor allem diese starke Zivilgesellschaft. Ich wünsche mir einen Schulterschluss aller Demokrat:innen und freue mich, wenn wir gemeinsam für ein konstruktives Miteinander, Respekt und Würde eintreten. Wir leben in fragilen Zeiten, lasst sie uns besser machen.“
Weitere Informationen: Antje Trölsch, Pressesprecherin
Telefon: 030 - 68 81 50 06 | E-Mail: presse@berliner-tafel.de