Wie Corona die Tafelarbeit verändert

Die Corona-Situation hat auch den Alltag der Berliner Tafel von einem Tag auf den anderen auf den Kopf gestellt. Wenn auch unter anderen Bedingungen, konnte der Verein seine Arbeit durchgehend sicherstellen und unterstützt heute mehr bedürftige Menschen denn je. Eine kleine Chronologie:

März 2020: Schlag auf Schlag müssen die meisten Ausgabestellen zum Schutz ihrer überwiegend älteren Ehrenamtlichen schließen. Die Berliner Tafel übernimmt die zentrale Belieferung der LAIB und SEELE-Kund*innen. Dafür bezieht sie eine weitere Halle auf dem Berliner Großmarkt und verdoppelt ihre logistischen Abläufe. Die Berliner Tafel fährt sämtliche Supermärkte an, bei denen sonst die Ausgabestellen abholen und packt Lebensmitteltüten, die sie mit einem breiten Netzwerk an Unterstützer*innen an die Wohnungstüren der LAIB und SEELE-Kund*innen liefert.

Parallel schwanken die Mengen der gesammelten Lebensmittel immens: Einerseits lassen die Hamsterkäufe die Mengen um mehr als die Hälfte schrumpfen, andererseits spenden Unternehmen mehr Lebensmittel denn je. Plötzlich bekommt die Berliner Tafel Unmengen von Popcorn, weil die Kinos schließen und viele Waren aus den Küchen der Restaurants, die ebenfalls dichtmachen müssen.

Die Hilfsbereitschaft ist überwältigend. Es melden sich rund 1.500 neue Ehrenamtliche, die beim Fahren, Packen und Verteilen unterstützen. Viele von ihnen sind Student*innen, deren Vorlesungen gerade ausfallen, andere kommen aus der Kulturbranche. Auch viele Menschen aus der Gastronomie sind dabei – sie alle können gerade nicht arbeiten und wollen helfen.

Sommer 2020: Die Ausgabestellen öffnen nach und nach. Die meisten entscheiden sich für die Ausgabe von vorgepackten Lebensmitteltüten, die sie entweder selber packen oder bei der Berliner Tafel abholen.

August 2020: Die Berliner Tafel eröffnet ein Logistik-Zentrum für die Verteilung von Lebensmitteln an Brandenburger Tafeln. Die neuen Kühlzellen fassen insgesamt 64 Paletten. Dies entspricht dem Ladevolumen von zwei Sattelzügen.

Herbst 2020: Zeit für einen Zwischenstand: 175.000 Lebensmitteltüten wurden seit März für die LAIB und SEELE-Kund*innen gepackt und verteilt.

Dezember 2020: Die Berliner Tafel packt rund 8.000 Extra-Lebensmitteltüten für Obdachloseneinrichtungen, Wohnheime, Kinder- und Jugendvereine sowie Kirchengemeinden.

April 2021: Ein Blick zurück und ein Blick auf die Statistik zeigen, dass die Berliner Tafel in 2020 gar nicht allen Zahlen erfassen konnte. Zu schnell kamen die Umstellungen, zu groß war die Improvisation, als dass alle Waren über die Waage gehen konnten. Es ist deutlich, dass mehr Lebensmittel umverteilt wurden als vorher. Auch die Zahl der Menschen, die unterstützt werden, ist größer geworden.

Impressionen aus unserer neuen Halle 1

Unser neues Logistikzentrum

Ergebnisse der Auswertung der Statistik des 1. Quartals 2021

Vor Corona hat der Verein jeden Monat 125.000 finanziell bedürftige Menschen unterstützt; 50.000 über die LAIB und SEELE-Ausgabestellen und 75.000 über die Belieferung sozialer Einrichtungen mit Lebensmitteln.

Im ersten Quartal 2021 waren es insgesamt 130.000 Menschen im Monat: 40.000 Menschen kamen in die LAIB und SEELE-Ausgabestellen und 90.000 Menschen wurden über die sozialen Einrichtungen erreicht. Der Rückgang der LAIB und SEELE-Kund*innen ist darauf zurückzuführen, dass viele Menschen aus Angst vor Ansteckung ihre Wohnung nicht verlassen wollten. Die Berliner Tafel geht davon aus, dass diese Zahlen mittel- und langfristig deutlich steigen werden.

Das Volumen der umverteilten Lebensmittel ist ebenfalls gestiegen. Selbst ohne die großen Warenmengen, die sonst immer bei der Internationalen Grünen Woche und bei der Fruit Logistica eingesammelt wurden, verteilt der Verein jeden Monat rund 660 Tonnen Lebensmittel um; Tendenz steigend.

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