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Berlin, 19. Februar 2018

 

Die Berliner Tafel wird 25

Am 21. Februar 2018 feiert die Berliner Tafel ihren 25. Geburtstag. Ein guter Anlass für Erinnerungen und Überlegungen zu einer Bewegung, die mittlerweile weit über die Grenzen der Stadt und des Landes hinausgeht:

 

Die Geschichte

Berlin, Februar 1993: Sozialsenatorin Ingrid Stahmer referiert bei der "Initiativgruppe Berliner Frauen e.V.“ über Obdachlosigkeit in Berlin. Unter den Anwesenden ist auch Ursula Kretzer-Moßner; sie liest aus einem Zeitungsartikel über „City Harvest“ vor, einer New Yorker Initiative, die Lebensmittel zugunsten bedürftiger Menschen sammelt. Warum nicht kopieren, was in den USA längst gut funktioniert?

Fortan unterstützen die Frauen als „Berliner Tafel“ Obdachlose in einer Moabiter Notunterkunft und bringen ihnen zweimal pro Woche sechzig warme Mahlzeiten aus den Küchen verschiedener Hotels und Restaurants.

Diese Hilfsaktion ist für einen Winter geplant, doch es kommt anders: Viele soziale Einrichtungen wenden sich an die Frauengruppe und bitten um weitere Unterstützung. Sabine Werth ist Sozialarbeiterin und Mitglied der Frauengruppe; sie überlegt nicht lange und sagt zu. Lebensmittel gibt es im Überfluss, Armut auch.

Die Idee des Verteilens übriggebliebener Lebensmittel an Bedürftige entwickelt eine Dynamik, mit der niemand gerechnet hat. Bereits im ersten Jahr gründen sich weitere Tafeln im Bundesgebiet. Viele Menschen kommen aus dem In- und Ausland zur Berliner Tafel und suchen nach Impulsen für die Linderung der Armut in ihrer jeweiligen Heimat.

Auch in Berlin steht Sabine Werth vor einem Problem. Die Belieferung klappt inzwischen gut, es gibt viele ehrenamtliche und einige hauptamtliche Mitarbeiter*innen, die helfen. Aber wie könnte die Berliner Tafel auch Privathaushalte erreichen, in denen Menschen mit sehr wenig Geld über die Runden kommen müssen?

2005 gründet sich LAIB und SEELE, eine Aktion der Berliner Tafel, der Kirchen und des rbb. Von nun an können bedürftige Menschen in ihrer Nachbarschaft Lebensmittel für zu Hause bekommen. Für die Berliner Tafel bedeutet das den Umzug auf den Berliner Großmarkt.

Parallel entscheidet sich die Berliner Tafel für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen; 2004 eröffnet sie ihr erstes Kinderrestaurant, 2010 gründet sie KIMBA: Der Juniorbereich steht allen Schüler*innen offen, völlig unabhängig von den finanziellen Verhältnissen der Eltern. KIMBA bietet Kochkurse an, in denen künftige Erwachsene den bewussten Umgang mit Lebensmitteln lernen. Sie erleben, wie sie gesund kochen können.

 

Aktuelle Tafel-Zahlen

Die Berliner Tafel ist ein gemeinnütziger Verein, der von rund 2.000 Ehrenamtlichen getragen wird; 26 hauptamtliche Mitarbeiter*innen begleiten und koordinieren die Arbeit. Aktuell hat der Verein rund 2.000 Mitglieder. Jedes Jahr findet eine Mitgliederversammlung statt, alle zwei Jahre wird der ehrenamtliche Vorstand gewählt.

Die Berliner Tafel verteilt jeden Monat bis zu 660 Tonnen Lebensmittel und unterstützt damit monatlich 125.000 bedürftige Menschen: 50.000 kommen in die 45 LAIB und SEELE-Ausgabestellen, 75.000 werden über die sozialen Einrichtungen erreicht. Rund 4.000 Kinder nehmen jedes Jahr an den KIMBA-Angeboten teil.

Im September 1995 hat Sabine Werth die Gründung des Tafel-Bundesverbands initiiert. Damals waren es 35, heute sind es 937 Tafeln bundesweit.

 

Die Kritik

Die Kritik an der Berliner Tafel ist so alt wie der Verein: Sie würde die Regierung aus ihrer Verantwortung entlassen, sich um Bedürftige zu kümmern. Nein, die Berliner Tafel entlässt den Staat nicht aus einer Pflicht. Sie unterstützt mit den Lebensmitteln, die sie sammelt. Aber die Berliner Tafel kann, will und wird bedürftige Menschen nicht grundlegend versorgen.

Tafelarbeit würde Bedürftigkeit zementieren, ist ebenfalls immer wieder zu hören. Nein, die Berliner Tafel schafft weder Armutsstrukturen noch verfestigt sie diese. Rund 750.000 Menschen gelten in der Stadt als arm, die Berliner Tafel unterstützt davon gerade mal 125.000.

Ein weiterer Kritikpunkt ist das Schamgefühl der Betroffenen. Natürlich gesteht niemand gerne seine Bedürftigkeit ein. Das wissen alle Beteiligten sehr genau und behandeln die Menschen in den Ausgabestellen respektvoll; sie sind Gäste und keine Almosenempfänger*innen.

 

Die Zukunft

Die Berliner Tafel hat immer wieder betont, dass sie am liebsten überflüssig wäre. Das würde einerseits bedeuten, dass der Handel keinen Überschuss mehr produziert und/oder es keine Bedürftigkeit mehr gäbe.

Die Bilanz nach einem Vierteljahrhundert Tafelgeschichte heißt aber, dass die Menge der übriggebliebenen Lebensmittel immer noch viel zu groß ist. Der Armutsbericht von 2017 stellt Berlin ein miserables Zeugnis aus: 22,4% der Bevölkerung gelten als arm.

Welches Fazit zieht Sabine Werth, Gründerin und Vorsitzende der Berliner Tafel nach 25 Jahren? „Die Berliner Tafel versteht sich als Fürsprecherin für die Bedürftigen der Stadt. Sie wird auch künftig nicht müde, armen Menschen eine Stimme zu geben. Sie bleibt die Schnittstelle zwischen dem Zuviel des Handels und dem Zuwenig der Bedürftigen. So lange, bis es nicht mehr nötig ist.“

 

Weitere Informationen:
Antje Trölsch
Pressesprecherin
Telefon: 030/68 81 50 06
E-Mail: presse@berliner-tafel.de

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